Windows 365: Was ist das?

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Von Stefan Beckmann

Schon länger ist klar, dass Microsoft an einer neuen Art der Bereitstellung eines Desktops arbeitet. Bereits im April wurden erste Informationen zum neuen «Cloud PC» bekannt. An der diesjährigen Microsoft Inspire wurde nun Windows 365 vorgestellt. Damit ergänzt Microsoft die bestehenden Services von Azure Virtual Desktop und Microsoft Endpoint Manager mit den neuen Windows 365 Services. Den Windows 365 Cloud PC wird es in den Ausprägungen Business und Enterprise geben. Aber wo ist der Unterschied und wo grenzt er sich zum bestehenden Azure Virtual Desktop ab?

Was ist Windows 365?
Mit diesem neuen Service möchte Microsoft den Einstieg und das Bereitstellen eines ortsunabhängigen Desktops erleichtern. Darüber hinaus soll auch ein getätigtes Investment in den Microsoft Endpoint Manager und der damit implementierten Lösung einen weiteren Mehrwert gegeben werden. Über das Microsoft Endpoint Manager Portal werden dann die neuen Windows 365 Enterprise Desktops bereitgestellt. Windows 365 Business kann nicht über ein Portal verwaltet werden.

Durch den Einsatz von Microsoft Endpoint Manager können physische Desktops und virtuelle Desktops mit den gleichen Tools verwaltet werden. Die beiden Ausprägungen Business und Enterprise bringen aber ihre Unterscheide mit, welche genauer betrachtet, doch erheblich sind.

In der nachfolgenden Darstellung versuche ich die verschiedenen Ausprägungen von Windows 365 und Azure Virtual Desktops in eine Reihenfolge zu bringen, welche die Flexibilität und Komplexität abbilden. Dabei hat die erste Nennung die geringste Komplexität aber auch die kleinste Flexibilität.

SmartIT-Blogbeitrag-Windows-365-Komplexität-Vergleich-Grafik-Kurve

Die Kosten für Lizenzen und Consumption werden sich auch an dieser Linie orientieren, wobei diese nicht so linear sein wird.

Windows 365 Business wird dort zum Einsatz kommen, wo es keine alten Client-Server Anwendungen mehr gibt und keine direkte Verbindung in bestehende Netzwerke benötigt werden. Möchte ich einen Geräteunabhängigen Desktop haben, der jederzeit und überall über Internet zur Verfügung steht, dann werde ich mich für die Ausprägung Business entscheiden.

Windows 365 Enterprise wähle ich, wenn ich mehr brauche. Sollen Anwendungen (z.B. Client-Server Anwendungen) direkt über das interne Netzwerk benutzt, Microsoft Enpoint Manager für die Verwaltung verwendet und kein zusätzliches Know-How für Azure Virtual Desktop aufgebaut werden, nutze ich diese Ausprägung. Diese Ausprägung erfordert ein Active Directory, weshalb ich automatisch weitere Infrastrukturen in Azure benötigen werde.

Der Azure Virtual Desktop kommt dann zum Einsatz, wenn mehrere User sich eine VM teilen sollen. Er wird auch dann eingesetzt, wenn die Flexibilität bei den Ressourcen und möglichen Einsatzszenarien oder Kombinationen von persönlichem oder unpersönlichem Desktop erforderlich sind. Ausserdem kann ich mit Azure Virtual Desktop nicht nur ein Desktop sondern auch einzelne Anwendungen publizieren und dadurch nicht nur einen zusätzlichen Desktop zur Verfügung stellen, sondern meine Client Landschaft mit Anwendungen aus der Cloud ergänzen, welche nicht als Software as as Service bezogen werden können.


Windows 365 im Detail
Windows 365 ist eine SaaS Anwendung und Teil von Microsoft 365. Es bietet den Kunden einen Desktop aus der Cloud zu einem festen Preis im Monat. Da es sich hier um einen dedizierten und persistenten Desktop handelt, muss dieser auch wie ein physischer Client durch die selben Tools oder durch den Benutzer verwaltet werden.

Im Hintergrund nutzt Microsoft als Control Plane die Infrastruktur von Azure Virtual Desktop für die Veröffentlichung, jedoch hat der Kunde darauf keinen Zugriff. Einzig für die Ausprägung Enterprise werden die Netzwerkkarten in ein virtuelles Netzwerk innerhalb einer Kunden Subscription eingefügt. Dies wird auch benötigt, da in der Enterprise Variante einen Hybrid AD Join vorausgesetzt wird. Die Verbindung wird dann über das virtuelle Netzwerk in der Kunden Subscription hergestellt. Wenn dies nicht benötigt wird, kann man auch die Business Version verwenden, diese wird mit dem Azure AD verbunden. Dadurch dass die virtuellen Maschinen in den Microsoft Subscription betrieben werden, ist auch ein Monitoring sehr eingeschränkt.

Diese Limitierung im Bereich Netzwerk entscheidet darüber, welche Version man verwenden sollte. Möchte man nur auf Anwendungen lokal oder in der Cloud zugreifen, dann funktioniert dies mit der Windows 365 Business Version. Sollen aber auch andere Anwendungen innerhalb des eigenen Netzwerkes genutzt werden, dann muss ich Windows 365 Enterprise verwenden. Werden publizierte Anwendungen anstelle von Desktops oder andere erweiterte Funktionen benötigt werden, wird man besser Azure Virtual Desktop einsetzen.

Mit keiner Windows 365 Edition wird eine Datenablage benötigt. Die Daten werden in der Regel auf weitern Cloud Diensten wie OneDrive, Teams oder SharePoint abgelegt. Auf dem lokalen Client werden keine Daten gespeichert. Wenn man die Enterprise Version verwendet, kann man aber durch die Netzwerkintegration auch Datei Server oder Storage Accounts innerhalb der eigenen Subscription ansprechen und so Daten für mehrere Benutzer zentral ablegen. FSLogix ist nicht integriert, daher müssen die Daten, welche nicht nach OneDrive umgeleitet werden ggf. zusätzlich gesichert werden, da sich diese auf dem lokalen Laufwerk des virtuellen Desktops befinden.

Als Betriebssystem kann heute nur Windows 10 Enterprise und später Windows 11 Enterprise verwendet werden. Multiuser oder Server Betriebssysteme werden nicht unterstützt. Unter Windows 365 kann man nebst den Marketplace Images auch eigene Images benutzen und Anwendungen via Microsoft Endpoint Manager oder über andere Tools installieren. Windows 365 Business Desktops müssen von einem Marketplace Images hergestellt werden und können nur durch weitere Produkte verwaltet werden.

Der Zugriff auf die Desktops funktionieren bei allen Ausprägungen gleich, entweder über den Browser (HTML5 Client) oder über eine native App (Remote Desktop App). Azure Virtual Desktop nutzt einzig eine anderen Zugriffadresse. Bei Windows 365 Business Desktops können einzig die Drucker verwendet werden, welche vom Client verbunden werden. Bei den anderen Ausprägungen können auch via Universal Print oder Printserver im Netzwerk gedruckt werden.

Nachfolgend eine Übersicht, welche Subscriptions mindestens benötigt werden um Windows 365 oder Azure Virtual Desktop nutzen zu können:

  Windows 365 Business Windows 365 Enterprise Azure Virtual Desktop
Windows Computing Windows 10 Enterprise E3 Windows 10 Enterprise E3 Windows 10 Enterprise E3
Windows 365 Cloud PC Windows 365 Cloud PC & Azure Azure
Management Office Optional Microsoft Endpoint Manager Microsoft Enpoint Manager Optional Microsoft Endpoint Manager
Optional Office 365 Optional Office 365 Optional Office 365

 

In der Realität werden jedoch immer ein Lizenz Bundle verwendet, basierend auf dem vorhandenen Betriebssystem auf dem Client:

Benutzer mit Windows Pro Clients Benutzer ohne Windows Pro Clients
Windows 10 Enterprise E3 + EMS E3 Windows VDA E3 + EMS E3
Microsoft 365 F3
Microsoft 365 E3
Microsoft 365 E3
Microsoft 365 Business Premium

 

Microsoft hat die nachfolgende Tabelle veröffentlicht, mit welcher man die Anwendungsfälle und den damit verwendeten Anwendungen sowie den möglichen benötigten Ressourcen sieht:

VM / RAM / OS Disk Beispiel Szenario Empfohlene Anwendungen
1vCPU / 2GB / 64GB Mitarbeiter an vorderster Front, Callcenter Agents, Bildung/Schulung/CRM-Zugang Office Light (Web Version), Microsoft Edge, OneDrive, einfache Business Anwendungen (z.B. Call Center Anwendungen, Web Anwendungen)
2vCPU / 4GB / 256GB
2vCPU / 4GB / 128GB
2vCPU / 4GB / 64GB
Bei Fusionen und Übernahmen, Kurzfristig und saisonal, Kundenservice, Bring-Your-Own-PC, HomeOffice Microsoft 365 Apps, Microsoft Teams (nur Audio), Outlook, Excel, PowerPoint, OneDrive, Adobe Reader, Edge, Business Anwendungen
2vCPU / 8GB / 256GB
2vCPU / 8GB / 128GB
Bring-Your-Own-PC, HomeOffice, Marktforscher, Behörden, Berater Microsoft 365 Apps, Microsoft Teams, Outlook, Excel, Access, PowerPoint, OneDrive, Adobe Reader, Edge, Business Anwendungen
4vCPU / 16GB / 512GB
4vCPU / 16GB / 256GB
4vCPU / 16GB / 128GB
Finanzen, Behörden, Berater, Gesundheitsdienste, Bring-Your-Own-PC, HomeOffice Microsoft 365 Apps, Microsoft Teams, Outlook, Excel, Access, PowerPoint, PowerBi, Dynamics 365, OneDrive, Adobe Reader, Edge, Business Anwendungen
8vCPU / 32GB / 512GB
8vCPU / 32GB / 256GB
8vCPU / 32GB / 128GB
Softwareentwickler, Ingenieure, Content Creators, Design- und Engineering-Workstations Microsoft 365 Apps, Microsoft Teams, Outlook, Access, OneDrive, Adobe Reader, Edge, PowerBi, Visual Studio Code, Business Anwendungen

Quelle: https://techcommunity.microsoft.com/t5/windows-it-pro-blog/get-started-with-windows-365/ba-p/2530504

Übersicht
Nachfolgend eine Übersicht aller Windows 365 Editionen und Azure Virtual Desktop in den wichtigsten beiden Ausprägungen. Anstelle diese selber zu erstellen, dürfen wir die Darstellung unsers Partners Nerdio, welcher bei der Entwicklung von Windows 365 involviert war, verwenden. Wir nutzen Nerdio für das Management der verschiedenen Editionen, um damit unsere Services effizient bereitstellen zu können.

https://getnerdio.com/wp-content/uploads/2021/07/Azure-Virtual-Desktop-vs.-Deschutes-how-they-compare-chart-1.png

Wie weiter
Wenn Sie Interesse an Windows 365 oder Azure Virtual Desktop haben, unterstützen wir Sie gerne. Sei dies in einem Projekt oder mit den passenden Services.
Die SmartIT Services AG bietet ihnen Workplace Services in verschiedenen Varianten und Ausprägungen, so dass bestimmt einen passenden für Ihr Business dabei ist.

Haben ich Ihr Interesse an diesen Services geweckt oder haben Sie weitere Fragen? Zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren.