Strommangellage droht - Die SmartIT ist vorbereitet

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Von Kristian Hachen

Seit einigen Wochen lesen wir in der Presse von drohender Strommangellage und von Blackouts. Wir wollten von Patrick Buser, Head of Cloud Platform, wissen ob und wie SmartIT sich mit dem Thema auseinandersetzt.

SmartIT-Autor-Patrick-Buser

Patrick Buser, Head of Cloud Platform im Interview zur Strommangellage.

Patrick, unsere Kunden fragen uns vermehrt, wie wir uns bei der SmartIT, insbesondere in unseren Datacentern, auf eine drohende Strommangellage oder Blackout vorbereiten. Ich gebe die Frage an dich weiter, sind wir bereit?

Das ist eine sehr gute und berechtigte Frage und ich bin froh, setzen sich unsere Kunden offenbar ebenfalls mit dem Thema auseinander. Zuerst sollten wir aber einen kurzen Ausflug zu den Begrifflichkeiten Strommangellage und Blackout machen, welche oft verwechselt oder als Synonym verwendet werden, obwohl sie nicht das Gleiche bedeuten. Bei einem Blackout ist in der Regel grundsätzlich genügend Energie vorhanden, um die Nachfrage zu decken. Die Versorgung ist jedoch aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände grossflächig unterbrochen. Wir haben in der Schweiz aber sehr stabile und resiliente Stromnetze – das Blackout-Szenario steht also aktuell nicht im Fokus.

Was uns viel mehr beschäftigt, ist eine mögliche Strommangellage im kommenden Winter. Wie es der Begriff bereits umschreibt, gibt es bei einer Strommangellage einen Mangel an elektrischer Energie im System – oder anders gesagt, die Nachfrage ist höher als das Angebot. Dieses Szenario rückt aufgrund diverser Umstände aktuell in den Fokus. Im Gegensatz zum Sommer, wo die Schweiz ihren Strombedarf problemlos mit inländischer Produktion decken kann, sind wir in der Schweiz im Winter auf Importe angewiesen. Es gibt nun gewisse Fragezeichen, ob diese Importe im kommenden Winter sichergestellt werden können. Unsere grössten ausländischen Stromlieferanten sind Deutschland und Frankreich – und beide haben ihre Abhängigkeiten und Probleme. Deutschland ist stark vom Gas abhängig und das fehlt ja bekanntlich auch aktuell, respektive die Liefersituation ist unsicher. Und Frankreich hat einen Grossteil seiner Atomkraftwerke zu Wartungszwecken oder anderen Gründen ausser Betrieb genommen. Dies, in Kombination mit einem kalten Winter, könnte dann eben zu dieser Strommangellage führen.

Und was passiert, wenn wir in eine solche Strommangellage kommen?

Das OSTRAL (Organisation für Stromversorgung in Ausserordentlichen Lagen), welche für die schweizweiten Massnahmen in einer Strommagellage zuständig ist, hat kürzlich die möglichen Massnahmen publiziert, welche in einem solchen Fall angewendet würden. In diesem Fall ist es ein mehrstufiges Szenario und die Massnahmen würden immer drastischer:

  1. Appelle zum freiwilligen Stromsparen
  2. Verbot von nicht absolut notwendigen energieintensiven Geräten
  3. Kontingentierung der Grossverbraucher
  4. Zyklische Abschaltung

Vielen Dank für die Erklärungen, aber zurück zur ursprünglichen Frage: Wie bereiten wir als SmartIT uns jetzt vor?

Wir setzen uns bereits seit ein paar Wochen mit dem Thema auseinander. Konkret haben wir eine Arbeitsgruppe geschaffen, welche den Auftrag hat, die möglichen Szenarien zu analysieren und daraus Massnahmen für uns selbst abzuleiten. Und da ist es sehr spannend festzustellen, wie einschneidend fehlender Strom sein kann, wenn wir ganz grundsätzliche Fragen diskutieren, wie zum Beispiel: Wie stellen wir die Unternehmenskommunikation sicher? Wo arbeiten unsere Mitarbeitenden, wenn im Büro in Bern kein Strom mehr vorhanden ist? Gibt es Komponenten in unseren Büros die zwingend laufen müssen? Wurden Abschaltungen und Wiederinbetriebnahmen schon mal getestet? Diese Liste an Fragen geht so weiter. Letztendlich müssen wir für unsere Kundinnen und Kunden – aber auch für uns – den Betrieb aufrechterhalten können. Mit unserem Massnahmenplan, der ausgearbeitet wird, wollen wir das sicherstellen.

Was unsere Kunden aber vermutlich am meisten beschäftigt, sind unsere Datacenter. Was ist damit?

Absolut. Unsere Datacenter haben oberste Priorität und aus diesem Grund haben wir die nötigen Vorarbeiten auch bereits getroffen. Hier sind wir bereits in der Detailplanung der möglichen Massnahmen. Was unsere Datacenter Services potenziell betrifft, sind im Wesentlichen die OSTRAL-Massnahmen auf Stufe 3 und 4. Es ist aktuell noch nicht bekannt, wie diese Massnahmen bei Eintritt des Szenarios konkret umgesetzt würden, deshalb treffen wir Annahmen.

Von welchem Szenario und welchen Folgen gehen wir aktuell aus?

Bei Szenario 3, Kontingentierung, kann es sein, dass wir zu einer prozentualen Reduktion der Leistungsaufnahme in unseren Datecentern gezwungen werden. Um trotz einer Reduktion den Betrieb sicherzustellen, durchleuchtet unsere Datacenter-Leitung aktuell den Auslastungsplan und die laufenden Systeme in den Datacentern. So identifiziert sie unter anderem nicht-kritische Systeme, wie beispielsweise Test- oder Laborsysteme, welche in einer Kontingentierungszeit heruntergefahren werden könnten. Weiter sind wir dabei, alle Host-Systeme mit mehr Ressourcen zu bestücken. Auf diese Weise können wir die Virtualisierungsdichte – also Anzahl virtueller Maschinen pro Hostsysteme – erhöhen und zur Leistungsreduktion einen Teil der Hostsysteme zeitweise ausser Betrieb nehmen ohne grössere Leistungseinbussen in Kauf zu nehmen.

Und bei Szenario 4?

Bei Szenario 4, den zyklischen Abschaltungen, handelt es sich um das komplette Abschalten vom Strom in einer gewissen Region für einen gewissen Zeitraum. Also beispielsweise vier Stunden keinen Strom, danach vier oder acht Stunden Strom und dann erneut vier Stunden keinen Strom und so weiter. Was in seiner Gesamtheit betrachtet das Worst-Case-Szenario darstellt, ist aus Sicht der Datacenter Dienste aber am wenigsten problematisch. Alle Datacenter-Standorte sind mit batteriegestützten Notstromgruppen und Dieselgeneratoren ausgestattet, die diese geplanten Unterbrüche problemlos überbrücken können. Die Tanklager der Generatoren sind aufgrund von Swissgrid-Vorgaben ebenfalls sehr gut gefüllt. Aus Datacenter-Sicht schauen wir dem Szenario 4 des OSTRAL also einigermassen gelassen entgegen.

Das heisst, unsere Kunden können jederzeit auf die Datacenter Dienste zugreifen?

Hier wird es eben komplizierter. Wir gehen davon aus, dass wir die Datacenter-Dienste durchgehend bereitstellen können. Wie sich unsere Kundinnen und Kunden dann aber auf diese Dienste verbinden, wenn bei ihnen im Büro alles dunkel ist, ist eine andere Frage. Wie eingangs erklärt, arbeitet unsere dazu geschaffene Arbeitsgruppe genau an diesen Themen für uns selbst. Sobald wir genügend Resultate haben, möchten wir unsere Erkenntnisse in Form einer Beratung auch unseren Kunden anbieten und ihnen helfen sich auf die möglichen Szenarien vorzubereiten.

Sehr gut. Gibt es sonst etwas, was unsere Kunden jetzt schon tun können?

Es ist sicher nicht falsch, wenn jedes Unternehmen für sich selber überlegt, wie es im Fall einer Strommangellage den Betrieb gesamtheitlich aufrecht erhält. Das gehört zum Business Continuity Management und sollte auf der Agenda jeder Geschäftsleitung stehen.

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