Im Kampf gegen den Fachkräftemangel – SmartIT bildet aus

Portrait von Andreas Walther
Von Andreas Walther
Im Kampf gegen den Fachkräftemangel – SmartIT bildet aus
Der Fachkräftemangel in der IT-Branche ist Tatsache und wir bei der SmartIT bekommen ihn nicht selten zu spüren. Statt nur zu jammern hat unser Andreas Walther vor etlicher Zeit die Initiative ergriffen und sich dafür stark gemacht, bei der SmartIT junge Fachkräfte auszubilden. Der Weg war lange aber mit (fast) ausschliesslich positiven Emotionen behaftet. Nun bildet die SmartIT Lernende aus!
Andreas, Du hast auf dem Weg der SmartIT hin zum Lehrbetrieb eine massgebliche Rolle gespielt. Was genau begeistert Dich an der Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen derart?
Mich begeistert die Transformation. Wenn eine Lernende ihre Lehre antritt ist das eine Schulabgängerin ohne jegliche Lebens- respektive Berufserfahrung. Es ist ein ungeschliffener Diamant, der bis dahin von Morgen bis abends Anweisungen zu befolgen hatte. Die Lehre ist der erste Schritt in ihr selbstständiges (Arbeits-)Leben. Obwohl da auch ein Vorgesetzter oder eine Betreuungsperson ist, beginnen sie ihren Alltag selbst zu planen und gestalten. Das verändert unheimlich viel in diesen jungen Menschen. Und das ist, was mich fasziniert am Ausbilden. Nach den ersten Ferien kommt nicht selten eine andere Person zurück, das ist unfassbar. Manchmal sind es andere Verhaltensweisen, neue Einstellungen, teilweise aber auch physische Veränderungen oder eine andere Stimmlage – das finde ich spannend. Es ist die Freude an Menschen und dessen Entwicklung und es erfüllt mich mit Stolz jemanden auf diesem Weg begleiten zu dürfen und mein Wissen mit ihnen zu teilen.
Aber ich finde es auch für mich persönlich sehr erfrischend, denn so bleibe ich zwangshaft am Puls der Zeit. Ja, es hält mich jung mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten.
Erkannt habe ich diese Begeisterung in zwei Situationen in meinem Leben. Das war einerseits der Zeitpunkt, als mein eigener Sohn seine Ausbildung startete. Schon da hat mich die unglaublich rasche Veränderung vom kleinen Jungen zum jungen Berufskollegen innerhalb weniger Wochen regelrecht umgehauen. Anderseits war das, als ich bei der SmartIT die Verantwortung für den Servicedesk übernehmen durfte. Da merkte ich, dass bei der Zusammenarbeit mit jungen Menschen eine komplett andere Dynamik entsteht als mit erfahrenen Kollegen. Es ist andauernd in Bewegung, das ist zwar sehr herausfordernd aber auch viel spannender.

Was war auf dem Weg, hin zur Erlaubnis Lernende ausbilden zu dürfen, wichtig?
Die grösste Hürde war für mich, meine Idee in einer adretten Form unserer Geschäftsleitung zu präsentieren und sie davon zu überzeugen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch wenig Wissen in diesem Bereich - da war einfach diese Idee. Motiviert hat mich natürlich der Fachkräftemangel. Statt Jammern wollte ich den Weg des selbst Ausbildens als Lösung wählen. Mich begeisterte auch, diesen jungen Berufskollegen unsere Unternehmenswerte und -Gene mit auf den Weg geben zu können. Ich wurde vom Management angehalten einen Finanzplan aufzustellen, selbstverständlich interessierte wie viel darin investiert werden muss und was denn dabei für uns herauspurzelt. Das zusammenzutragen und zu rechnen ist eine aufwändige Sache.
Im Anschluss ist es vor allem eine Fleissarbeit – man muss dranbleiben. Im Berufsbilderkurs erhielt ich viele sehr nützliche Informationen. Ich beschäftigte mich mit der Gewerbeschule und setzte mich intensiv mit den Bildungsplänen auseinander. Bei der SmartIT haben wir uns gegen den 0815 Bildungsplan entschieden, sondern wollten dynamisch auf diesen eingehen. Ich nahm ihn also auseinander und versuchte die Einsatzplanung der Lernenden auf die entsprechenden theoretischen Inputs in der Berufsschule abzustimmen. Wenn sie in der Schule das Thema Netzwerk behandelt, soll sie einen unserer Mitarbeitenden aus diesem Bereich zu Kunden und in dementsprechenden Projekten begleiten und lernen können. Sie soll die Theorie in der Praxis sehen und anwenden können. Das alles zu planen und dann intern die passenden Leute für diese Sequenzen zu finden, war eine Challenge und hat für mich die meiste Zeit in Anspruch genommen.
Die Rekrutierung ist auch eine spannende Sache! Zwischen dem Bewerbungsgespräch und dem ersten Arbeitstag liegt unter Umständen ein Jahr. In diesem Alter kann das sein, dass dann eine komplett andere Persönlichkeit antritt. Da heraus zu spüren, ob das passt, ob das Interesse und die Motivation da sind und ob es zwischenmenschlich funktioniert ist nicht ganz ohne. Es ist viel gedankliche Arbeit notwendig, um diese Menschen vergleichbar zu machen und eine vernünftige Wahl treffen zu können.
Bevor der erste Lehrvertrag ausgestellt werden darf, benötigt der Betrieb eine Bewilligung – ich nehme an, du hast den Prozess bis zu dieser Bewilligung gemeint – das war für mich aber eine eher kleinere Angelegenheit. In ungefähr einem Tag wird das Unternehmen durchleuchtet und geprüft ob die gesetzlichen Vorgaben aber auch Richtlinien des Verbands eingehalten werden. Wir sollen ja nicht nur ausbilden wollen, sondern auch können. Darauf haben wir uns seriös vorbereitet.

Was bedeutet es für die SmartIT als Unternehmen einen Lehrbetrieb zu sein?
Lernende im Unternehmen zu haben bedeutet auch immer einen Input in die Kultur des Unternehmens. Da sehe ich für die SmartIT den grössten Nutzen. Es entwickeln sich nämlich nicht nur die jungen Menschen, sondern auch das Unternehmen mit ihnen gemeinsam. Sie bringen diesen jugendlichen Spirit, neue Denkweisen, eine junge Generation mit allen ihren Gegebenheiten ins Unternehmen ein. Dieser stetige Wandel ist spürbar und wertvoll. Lernende werden Ämtli übernehmen, die sie mit einem anderen Groove ausführen, als dies jemand Erfahrenes tun würde. Es werden andere Überlegungen gemacht und das färbt aufs Unternehmen ab.

Was bedeutet es für Dich persönlich?
Ich fühle mich in einer hybriden Rolle zwischen einer Art begleitendem Elternteil am Anfang der Lehre hin zum Berufsbilder gegen Ende der Lehre. Ich finde schon, dass wir als Berufsbilder viel Verantwortung für diesen jungen Menschen übernehmen. Nebst dem fachlichen lernen wir auch anderes wie beispielsweise Alltagsplanung, Work-Life-Balance, Umgang mit sich selbst aber auch mit anderen im Team oder Kunden. Auch in meiner Rolle als Berufsbildner sehe ich die einzige Konstante in der Veränderung. Diese ist je nach Gegenüber ganz eine andere.

Welchen Impact schaffen wir für den gesamten IT-Arbeitsmarkt?
Hoffentlich keinen. (Lacht.) In erster Linie will ich selbstverständlich unsere eigenen, künftigen Mitarbeitenden ausbilden. Dennoch finde ich es persönlich wichtig, verschiedene Sichtweisen zu kennen und hoffe, dass unsere Ausgelernten den Markt erkunden werden. Einerseits gibt es dadurch natürlich mehr Fachkräfte, aber den grössten Impact sehe ich an einem anderen Ort. Ich freue mich, die coolen SmartIT Werte und die Philosophie durch ehemalige Lernende in andere Unternehmungen einbringen zu können.

Welche Lehrgänge bietet die SmartIT an und ab wann?
Informatiker EFZ mit Fachrichtung Systemtechnik resp. Plattformentwicklung und die neu geschaffene Ausbildung zum ICT Fachmann / Fachfrau EFZ. Aktuell dürfen wir Sabrina gerade in ihrem QV begleiten – sie ist mit ihrer Klasse der erste Jahrgang überhaupt, der diesen Abschluss diesen Sommer erlangen wird. Es ist eine Mischung zwischen einem Customer Service Mitarbeitenden und einem Informatiker und somit das Bindeglied zwischen Anwendern und der Technik. Deren Wissen ist breiter, dafür etwas weniger tief – der Informatiker EFZ dagegen wird zum technischen Spezialisten.

Wir starten im Sommer 2021 mit einem Lernenden ICT Fachmann EFZ und möchten danach alle Jahre abwechslungsweise jemanden ausbilden. Das heisst die nächste freie Lehrstelle ist per August 2022 als Informatiker EFZ mit Fachrichtung Plattformentwicklung.

Welche Herausforderungen siehst Du?
Ich persönlich habe Respekt vor dem Aufeinanderprall der unterschiedlichen Generationen und den daraus folgenden Handlungsdruck fürs Unternehmen. Mir ist es wichtig, dass hier eine Harmonie entsteht. Es soll nicht nur die Jungen von den Erfahrenen lernen, sondern auch umgekehrt. Die aktuelle Situation mit Homeofficepflicht birgt grosses Potential für Missverständnisse. Persönliches Klären derer ist enorm wichtig und aktuell nicht möglich. Davor habe ich Respekt. In Zusammenhang mit der Homeofficepflicht kommen aber auch weitere Herausforderungen hinzu. Arbeitsmethoden verändern sich und das stellt den Ausbildungssektor vor grosse Herausforderungen.

Was sind Deine ersten Erfahrungen?
Durchaus positiv! Ich bin hochmotiviert, wie die Lernenden auch. Ich finde es erfrischend wie viel Energie und Motivation diese jungen Menschen haben. Sie wollen arbeiten, wollen ihre Meinung entwickeln und kundtun dürfen, sie sind wissenshungrig und neugierig – das finde ich grundsätzlich immer sehr spannend und aufregend.